Von Wolle und Wölfen
Montag, 27.4.2026
Soay-Schafe
Nach etwa zehn Minuten geht’s dann wieder halbwegs. Der Atem wird ruhiger, die Beine machen wieder mit. Wir schauen uns um, und gehen rüber zu den Soay-Schafen.
Sie stehen da, ruhig und von unserer Höchstleistung völlig unbeeindruckt. Die Soay-Schafe stammen ursprünglich von der Insel Soay in Schottland und gehören zu den ältesten und ursprünglichsten Schafrassen überhaupt. Anders als viele gezüchtete Arten sind sie klein, sehr robust und kommen mit rauen Bedingungen klar.
Einige tragen diese gebogenen Hörner, die sie irgendwie urtümlich wirken lassen – fast so, als hätten sie mit unserer modernen Landwirtschaft nicht viel zu tun. Was sie besonders macht: Ihr Fell fällt im Frühjahr von selbst aus. Man muss sie also nicht scheren. Außerdem sind sie ziemlich unabhängig und wirken eher wie halbe Wildtiere als wie klassische Weideschafe.
- Das Schaf ist unbeeindruckt von unserer Leistung.
- Es kaut langsam vor sich hin.
Waldschafe
Gegenüber von den Saoy-Schafen ist ein Gehege mit Waldschafen. Sie wirken entspannt, lassen sich ohne Scheu anfassen und bleiben einfach gelassen in unserer Nähe stehen. Susanne ist total begeistert, weil die Schafe das Streicheln offenbar so richtig genießen und gar nicht mehr aufhören wollen.
- Waldschaf-Lämmchen
- Genuss auf beiden Seiten
Aussichtspunkt Breitenstein
Danach geht’s die 100 Meter rüber zum Aussichtspunkt Breitenstein. Da stehen wir jetzt auf dem felsigen Aussichtspunkt. Vor uns liegt ein bewaldetes Tal mit sanften Hügeln. Gegenüber sehen wir das Schloss Hundshaupten, das auf einem Bergsporn liegt.
- Aufstieg zum Aussichtspunkt
- Und weiter geht es …
Direkt unter uns fällt das Gelände ca. 60 Meter steil ab – ein bewaldeter Steilhang mit Felsen. Um uns herum ragen Jurafelsen aus dem Wald, und zwischen den Bäumen erkennt man vereinzelt Wege und Teile des Parks.
- Herrliche Aussicht
- Alles in Grün
Es ist total ruhig – wir haben den Park praktisch für uns allein. Kein Mensch weit und breit, nur Natur, Stille und Weitblick.
Luchse
Vom Aussichtspunkt bis zum Hauptweg, sind’s so hundert, hundertfünfzig Meter – über Stock und Stein – zum Glück aber ebenerdig. Am Weg geht’s dann mit 5 bis 6% Steigung sehr moderat hoch – also auch quasi eben. Dann sind wir am Luchsgehege. Wir sehen die Katzen zwar, aber die machen keinerlei Anstalten, sich umzudrehen. So sehen wir sie nur von hinten. Trotzdem lässt sich an den typischen Pinselohren eindeutig erkennen, dass es sich um Luchse handelt.
- Luchs von hinten
- Die Pinselohren verraten ihn.
Wölfe
Bis zu den Wölfen geht’s praktisch ebenfalls eben, dann kommen wir an eine hölzerne überdachte Brücke. Die ist geschätzt rund 200 Meter lang und führt über das ganze Wolfgehege hinweg.
- Holzbrücke zu den Wölfen
- „Quatschkopf“ scheint uns zu erwarten.
Zunächst sehen wir gar nichts, erst ganz am äußersten östlichen Ende der Brücke pendelt rechts unter uns der männliche Wolfshybride „Quatschkopf“.
- „Quatschkopf“ ist ein Wolfshybride.
- Ihr könnt wieder gähnen, ehm gehen, meine ich.
Wolf-Hund-Hybride – also Mischlinge aus Wolf und Haushund – entstehen meist durch unkontrollierte Kreuzungen in menschlicher Obhut oder gezielte Zucht (was meines Wissen in Deutschland gar nicht zugelassen ist). Der Wildpark hält also keine „normalen Wölfe“, sondern will mit den Hybriden, die in anderen Einrichtungen gar keinen Platz mehr finden und auch nnicht ausgewildert werden dürfen, bewusst aufklären.
- Immer aufmerksam
- Ja nichts verpassen …
„Quatschkopf“ ist ein verspielteres, impulsives Männchen, das Weibchen „Die Sanfte“ ist eher zurückhaltend und wird Menschen gegenüber als sehr vorsichtig beschrieben. Kein Wunder, dass ich sie überhaupt nicht gesehen habe – Susanne schon.
- Jetzt will ich aber meine Ruhe haben.
- Toll, dass wir die Wölfe gesehen haben.
Zwanzig Minuten lang haben wir „Quatschkopf“ beobachtet und unzählige Fotos gemacht, bis wir dann weitergehen wollten. Doch da scheiden sich die Geister.
Um das Wolfsgehege herum
Susanne meinte, wir könnten nach der Brücke einfach weitergehen. Ich aber bin der festen Ansicht, dass wir wieder umkehren und beim Luchs-Gehege links müssen. Also drehe ich kurzerhand ab und setze mich durch – ziemlich überzeugt, ehrlich gesagt, ohne wirklich zu wissen, ob das stimmt.
Ein paar Minuten später wird dann klar: Da geht gar nichts links. Ich bleibe kurz stehen, schaue mich um, tue so, als würde ich noch mal „prüfen“ – aber eigentlich weiß ich schon, wie die Lage ist. Susanne hatte recht. Also gehen wir wieder zurück zur Holzbrücke. Susanne triumphierend und ich ein bisschen kleinlaut.
Vor der Brücke entdecken wir dann noch einen anderen Weg, der links abgeht und praktisch ohne Steigung oder Gefälle einmal komplett um das Wolfsgehege herumführt. Diesmal sage ich nichts mehr, sondern folge Susanne einfach nach. Und dann, nach 300 Metern sind wir wieder genau dort, wo Susanne vorhin am Ende der Holzbrücke sagte, dass der Weg dort weitergeht.
Dass sie recht hatte, wurmt mich gewaltig.
Am Geldstein vorbei den Hüllergraben hinunter
Am anderen Ende der Holzbrücke führt der Weg leicht bergab auf eine asphaltierte Strecke.
- Wir lassen die Wölfe hinter uns.
- Maiengrün
Etwa 250 Metern weiter erscheint rechts dann die Felsformation „Geldstein“, eine typische Jurakalk-Formation, wie sie in der Fränkischen Schweiz häufig vorkommt.
- Im Schatten alter Bäume
- Der Geldstein
Weitere rund 275 Meter später zweigt rechts der Gelbe Weg ab, der zu den Toiletten und dem Schwedischen Haus beim Rentiergehege führt. Mit einem Gefälle von insgesamt höchstens 10 bis 12 Prozent ist der Abschnitt vom Wolfsgehege durch den Hüllergraben bis zu dieser Abzweigung aber deutlich weniger anstrengend als zuvor der steile Anstieg mit 22 Prozent hinauf zu den Schafen.
- Richtung gelber Weg
- Spotlight aus dem Blätterdach.
Auf dem Gelben Weg kann man jetzt richtig gut gehen. Anfangs mit sanftem Gefälle, später sogar topfeben.
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